Langsam ist es Zeit für unseren Griechenland Urlaub mit Frau Rutzels Nichte. Das war der einzig geplante Termin von der ganzen Reise. Die Fahrt nach Ofrynio soll ca. 5 Stunden dauern und auf dem Weg dorthin gibt es ein paar Sehenswürdigkeiten, die wir irgendwann auf der Karte gespeichert hatten und uns anschauen wollen. Als erstes kommen wir an den Steinpilzen vorbei, die (leider) nicht zum Essen sind, sondern tatsächlich aus Kalkstein und durch Wind und Wetter geformt wurden. Dort fühlen sich offensichtlich auch zwei Hunde sehr wohl und haben den Ort als deren Zuhause gemacht.

Wir fahren weiter nach Zlatograd, das kurz vor der griechischen Grenze liegt und die südlichste Stadt Bulgariens ist. Die wurde uns von Frau Rutzel‘s Bruder Nicky empfohlen. Die Altstadt ist ein Ethnografisches Freilichtmuseum, wo man viele sehr gut erhaltene bzw. restaurierte alte bulgarische Häuser bestaunen kann. Als erstes stolpern wir über die Schwelle der im Jahr 1852 gebauten Gesamtschule. Das Haus ist wunderschön, die riesige Veranda spendet Schatten und im Klassenzimmer wird man in die Zeit zurück versetzt, wo man das Schreiben noch im Sand geübt hat.

Nachdem wir uns mit, für die Rhodopen typischen Gerichte, gestärkt haben, machen wir uns auf die Suche nach einem ruhigeren Schlafplatz. Wir hatten vorher ziemlich zentral geparkt und im Restaurant gegenüber war eine Feier mit lauter Musik, und das schon am Nachmittag.

Auf der Karte haben wir einen See gesehen und hoffen dort ein schönes Plätzchen zu finden. Leider ist das Areal umzäunt und bewacht, sodass wir weiterfahren.

Vorher müssen wir noch Wasser auffüllen und das machen wir an einer der zahlreichen Wasserstellen hier. Wer durch die  Rhodopen reist, begegnet ihnen immer wieder. Kleine Brunnen am Wegesrand, auf Dorfplätzen oder mitten in der Natur. Sie heißen Tscheschmas und sind weit mehr als Orte, an denen man seinen Durst stillt. Ihre große Zahl zeugt von einer tief verwurzelten kulturellen, spirituellen und sozialen Tradition. In Bulgarien gilt der Bau einer Tscheschma als eine der edelsten guten Taten. Wohlhabende Bürger oder Familien errichteten Brunnen oft zum Gedenken an Verstorbene oder zur Feier eines freudigen Ereignisses, etwa einer Geburt.

Mit dem fließenden Wasser verbindet sich eine besondere Vorstellung: Solange Wasser aus dem Brunnen sprudelt und Menschen ihren Durst daran stillen, bleibt die Erinnerung an den Erbauer lebendig. Man sagt sogar, dass seine Seele Frieden findet oder weiterlebt, solange das Wasser fließt.

Ein bulgarisches Sprichwort bringt diese Tradition auf den Punkt:

„Um ewig zu leben, ziehe ein Kind auf, schreibe ein Buch oder baue einen Brunnen.“

So sind die Tscheschmi stille Denkmäler der Erinnerung und zugleich ein Geschenk an die Gemeinschaft. Jeder Tropfen, der aus ihnen fließt, erzählt von einer guten Tat, die über das eigene Leben hinaus Bestand haben soll.

Infoteil Ende 😉.

Leider ist keine dieser Wasserstellen ruhig genug für die Übernachtung, dafür ist die Aussicht über das Flusstal einfach meeega 😍.

Zurück in Zlatograd entscheiden wir uns für den Parkplatz in der Nähe von einem kleinen Park. Es ist mittlerweile schon nach 20 Uhr und wir schlendern durch das kleine Städtchen und stellen fest,  dass es doch nicht so klein ist, wie wir dachten und dass die Leute hier am Wochenende gerne feiern gehen. Es gibt einige Restaurants mit bulgarischer und griechischer live Musik und mindestens drei von denen im näheren Umkreis von unserem Rutzel Mobil 🤪. Mit einem Pirinsko Bier in der Hand lauschen wir dem Griechen vom Restaurant direkt am Platz und stellen uns auf die Tage am ägäischen Meer ein…

Griechenland 🇬🇷 wir sind bereit!