Chiprovzi – bulgarisches Volksmusik Festival
In Varshets haben wir Dimi auf dem Stellplatz kennengelernt und er berichtete uns so begeistert von einem Musik Festival in Chiprovzi, dass wir uns dachten, das sollten wir uns anschauen. Das Festival wird seit einigen Jahren von einem Belgier organisiert, der in Plovdiv studierte und viele interessierte aus England, Frankreich, Belgien, Italien und sogar aus Argentinien zusammenbringt, die sich für die traditionelle bulgarische Folklore Musik begeistern. Jeden Tag gibt es Workshops mit allen möglichen Musikinstrumenten wie Blasinstrumenten, Trommeln, Akkordeon und natürlich auch der Gesang darf nicht fehlen. Also nix wie hin. Das kleine Dorf ist unter anderem seit dem 17. Jahrhundert für seine handgefertigten Teppiche, die zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe gehören, bekannt.
Als wir in Chiprovzi ankommen hören wir aus verschiedenen Gebäuden Musik und auch ein Chor ist am proben. Wir laufen ein bisschen herum, lauschen den Tönen und sehen auch Dimis Camper. Aber es ist Mittag, ziemlich heiß und wir haben auch Appetit. Wir entscheiden uns in einem Restaurant für den Mittagstisch und die, für die Region typischen, mit Bohnen gefüllten Paprika, die uns die Dame vom ethnischen Museum empfohlen hatte, sehr lecker 😋.
Und nun? Gleich um die Ecke ist ein Freibad und somit verbringen wir bis zum späten Nachmittag die Zeit unter einem Sonnenschirm und genießen das erfrischende Wasser.
Im Anschluss entscheiden wir uns einen Stellplatz für die Nacht zu suchen. In der Stadt finden wir keinen, der uns gefällt und so fahren wir ein paar Minuten zu einem Damm mit einem perfekten Stellplatz für unser Rutzel Mobil – direkt am Wasser. Wir richten uns ein und nach einigen Minuten haben wir auch Besuch von einer süßen Katze, die uns bis zu unserer Abreise nicht weichen wird. Unsere Herzen werden bei ihr butterweich, aber der Kopf bleibt kühl genug, um gefühlt keinen „Fehler“ zu begehen 🙃.
Wir genießen die Ruhe am Damm. Diese wird jedoch kurz vor Einbruch der Dunkelheit mit einem kurzen Konzert von einigen Hunden und Goldschakalen unterbrochen. Was für ein schönes Erlebnis, Gänsehaut pur. Ein Video findet Ihr hier. Im Nachgang hätten wir beide mal mehr die Klappe halten sollen 🙈, aber wir waren beide so fasziniert.
Nach einer extrem ruhigen und entspannten Nacht fuhren wir nach dem Frühstück wieder runter nach Chiprovzi. Rutzel’s Timing war erneut perfekt, denn in einem Schulgebäude waren sie schon am proben. Dort trafen wir auf Dimi, der beim Tapan Workshop (typische Trommel) mit einem Ungar, einer Belgierin und einem Belgier am üben war. Er hat sich riesig gefreut, dass wir nach Chiprovtsi gekommen sind. Danach haben sich alle Teilnehmer der Workshops für die Generalprobe in dem Gemeindesaal versammelt und die Atmosphäre war sehr familiär und intim, da die Musikanten unter sich waren. Mehrmals huschte die Gänsehaut über unsere Leiber. Die Workshop Lehrer kamen aus ganz Bulgarien und lebten die Musik. Es war sehr schön anzusehen, wie begeistert alle Musikanten mitgehört hatten, wenn zum Beispiel die Geigenspieler etwas gespielt haben. Frau Rutzel fand es auch sehr interessant, dass man mit den Geigen auch den Sound der Gadulka erzeugen kann. Danach waren die Akkordeon Spieler dran, dann die Flöten und auch der Chor, der auf bulgarisch gesungen hatte, obwohl bis auf zwei Sängerinnen keine Bulgarinnen waren. Wir haben mal vier Videos herausgepickt und diese findet Ihr hier.
Nach mehr als zwei Stunden im Gemeindesaal haben wir entschieden, dass es Zeit ist den Platz zu suchen, den uns Dimi für die Nacht empfohlen hatte. Das war etwas außerhalb im grünen und in der Nähe war eine kleine Wasserstelle, eine sehr willkommene Erfrischung für verschwitze Leiber.
Abends dann das Konzert. Vielleicht war die Erwartung (der wir bekanntermaßen in unserem Leben eigentlich keine Chance geben möchten) bei uns zu groß, denn dieses tolle Erlebnis, wie bei der Generalprobe, ist bei uns ausgeblieben. Dimi, der uns übrigens immer mehr an unseren Freund David erinnert hat, war voll in seinem Element und hatte Augen und Ohren nur für die Musik. Auch am nächsten Morgen hatte er schon Gitarre gespielt als wir aufgestanden sind. Der Rutzel ging zu ihm rüber, um ihm Kaffee anzubieten und durfte sich gleich erstmal ein bisschen bulgarische Geschichte anhören und danach auch noch ein paar Instrumente vorführen lassen. Dann war es Zeit für Dimi für die Morgen Toilette und wir nutzten die Zeit uns und das Auto für die Weiterfahrt nach Sofia fertig zu machen. Als er zurück kam wollten wir uns von ihm verabschieden und der Rutzel ging kurz rüber. Als Frau Rutzel eine Minute später rüber schaute, hing um seinen Hals schon der Gurt einer riesigen Trommel 😂. Was sollen wir sagen, Dimi ist Musiker mit Leib und Seele und möchte so viele wie es nur geht für seine Leidenschaft begeistern. Nach dem 15 minütigen Workshop verabschieden wir uns von unserem lieben Dimi. Es war uns eine große Freude Dir begegnet zu sein. Irgendwann werden wir uns wieder sehen 🍀.
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