Trigrad – tauschen 10 Tage chillen am Strand gegen Bewegung
10 Tage Sonne, Strand und Meer mit viel Nichtstun haben jetzt ihr Ende gefunden. Die Rutzels verabschieden sich vom Rauschen des Meeres und sind voller Tatendrang. Für einige Tage dachten wir, dass wir auf dem Rückweg von Griechenland nach Bulgarein einen Zwischenstopp am Kerkini See, mit seinen vielen verschiedenen Vogelarten u.a. Pelikan, Flamingo und sogar Wasserbüffel machen. Aber die Temperaturen mit über 35 Grad haben uns die Entscheidung abgenommen und somit ist unser nächstes Ziel Trigrad in den bulgarischen Rhodopen. Hier soll es tolle Schluchten mit Wasserfällen, Höhlen und verschiedenen Aussichtsplattformen geben.
Als erstes schauen wir uns das kleine Städtchen an und laufen danach zu der Höhle Dyavolskoto Garlo (Teufelsschlund). In der Nähe finden wir einen kleinen Souvenirladen, wo auch verschiedene Sorten Honig aus dieser Region verkauft werden. Der Besitzer ist seeehr überzeugend und obwohl wir Honig dabei haben und eigentlich keinen kaufen wollten, gehen mit vier Gläsern Honig zurück zum Auto 🙈. Man muss aber auch dazu sagen, dass diese Region berühmt für seine Bienenstöcke und ihren Honig sind.
Frau Rutzel sucht für den nächsten Tag eine Wanderung zu der höchsten Aussichtsplattform auf den Balkan – Valchi kamak – bekannt als Wolfsfelsen. Wir wollen unbedingt wandern und nicht, wie hier sonst üblich, mit einem Jeep hoch gefahren werden. Deshalb versuchen wir noch am Abend zu einem Parkplatz oberhalb des kleinen Dorfes Gyovren zu fahren, von wo wir am nächsten Tag loslaufen können. Die Betonung liegt auf „versuchen“, denn das stellt sich mit unserem Camper leider als unmöglich heraus, da das Dorf extrem steil an einem Hügel liegt, die Fahrbahn im weiteren Verlauf nur geringfügig breiter ist als unser Rutzel Mobil und diese auch eher einer Kraterlandschaft ähnelt. Nachdem wir ca. 300 Meter rückwärts fahren müssen, bevor wir umdrehen können, ist uns klar, ein neuer Plan muss her. Es ist schon stockdunkel und es dauert noch eine ganze Weile bis wir einen Stellplatz gefunden haben, der aber ganz nah an unserer morgigen Wandertour liegt.
Nach einer sehr ruhigen Nacht fahren wir die paar hundert Meter bis zum Parkplatz von Dyavolskata pateka (der Teufelspfad)- ein Eco-Trail, der an einer Schlucht vorbei führt. Kaum ausgestiegen, eilt eine Frau zu uns und erklärt uns, dass der große Rundweg aufgrund der Niederschläge der letzten Tage leider geschlossen ist und man nur die Strecke bis zu der Landstraße auf der anderen Seite laufen kann. Und da ist der Krux an der Sache – wie kommt man danach wieder zurück? Die Frau versucht uns zu überzeugen, dass es besser wäre, sich jetzt mit einem Jeep für 30€ auf die anderen Seite fahren zu lassen, als später von dort zurück für 50€ oder mehr. Wir sind allerdings alte Hasen, was das Verkaufen von solchen „gutgemeinten“ Leistungen angeht und nehmen in Kauf, dass wir entweder zurück laufen müssen oder aber versuchen zu trampen.
Der Pfad beginnt bei dem Torbogen mit dem Teufelskopf drauf. Der Weg entlang des Flusses ist am Anfang malerisch, doch sehr bald geht es bergauf und zwar ziemlich steil. Nach ca. 30 Minuten stehen wir dann vor der Teufelsbrücke – ein beeindruckender natürlicher Felsbogen, der sich über die tiefe Schlucht spannt. Der Holzweg, der direkt an die Schlucht entlang läuft, sieht leider etwas zu abenteuerlich aus, deshalb nehmen wir den oberen und sicheren Weg. Ab hier wird es immer spektakulärer und auch anspruchsvoller. Der Höhepunkt ist dann bei dem Wasserfall, wo man, in unserem Fall, ein paar ziemlich steile und rutschige Stufen runter laufen muss. Als wir endlich unten sind, schauen wir nach oben und sind sehr froh, dass wir uns für diesen Weg entschieden haben.
Nach gut 2 Stunden erreichen wir dann die Landstraße, wo die „Geier“ auf uns warten. Einer bietet an, uns für 50€ die 20 Minuten zurück zum Parkplatz zu fahren. Ich mache jetzt eine große Klammer auf: Bulgarien hat seit Anfang dieses Jahres den Euro bekommen und die Leute drehen durch, was die Preise angeht 😤. Der Kurs ist wie bei der Deutschen Mark gewesen, also 2:1. Die Verteuerung, die in Deutschland innerhalb von ein 1-2 Jahren passiert ist, ist hier leider innerhalb weniger Monate entstanden und mittlerweile zahlt man das gleiche in Euro. Letztes Jahr hätte niemand für diese Fahrt 100 Leva verlangt.
Sorry, ich (Frau Rutzel) musste mich kurz auskotzen 😁.
Also, wir stehen am Straßenrand mit noch vier jungen Leuten, die wir auf dem Wanderweg getroffen haben und weigern uns den übertrieben hohen Preis zu bezahlen. Nach ein paar Minuten und einem kurzen Telefonat, sagt das eine Mädel, dass uns der Mann abholt, mit dem sie am Tag zuvor eine tolle Jeep Tour gemacht haben. Er kommt extra für uns und verlangt nur 5€ pro Person. Die Geier gehen bzw. fahren mit leeren Händen nach Hause, denn es fängt an zu regnen 😂.
Auf dem Weg zurück kommen wir mit den anderen vier ins Gespräch und sie erzählen uns, dass sie am nächsten Tag nach Smolyan fahren und die Wanderung „Der Canyon der Wasserfälle“ machen wollen. Das hört sich ganz gut an und wir entscheiden uns auch dorthin zu fahren.
Aufgrund unserer Art zu reisen, was bedeutet, fast keine vorherige Recherche und am Ende voller Überraschungen, recherchieren wir im Nachgang ein wenig mehr für unsere Texte und so erfahren wir auch die Beschreibung der heutigen Wanderung 😂:
„Aufgrund seiner Schwierigkeit und Exponiertheit wird der Weg oft als einer der extremsten Wanderwege in Bulgarien bezeichnet, der vorsichtige Bewegung und Schwindelfreiheit erfordert.“
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